E-Learning

Seit ich heute mal ein bisschen mit Moodle rumspielen wollte, kann ich jeden einzelnen Lehrer verstehen, der Moodle kategorisch ablehnt.

Zuerst mal will ich feststellen: Was macht Moodle falsch?

  • Veraltetes Benutzersystem
  • Wiki und Forum sind schlecht, unübersichtlich und haben nicht die Funktionen, die man sich erwünscht – die Darstellung ist auch ein wenig komisch
  • Es ist verdammt kompliziert, einen Test zu erstellen, ohne dass man Anleitungen lesen muss. Es ist auch mit Anleitung kompliziert, verstehe die Tests, wer will.
  • Code ist einfach so zusammengeklatscht, unsauber und kompliziert
  • Auch im Frontend sieht das alles sehr zusammengeklatscht aus und vor allem unsauber und unschön.
  • Blogs – wer nutzt die schon?
  • Es ist sehr… starr, unflexibel. Das Element der Kollaboration, der Zusammenarbeit, der Kooperation – oder wie auch immer man das nun nennen will – fehlt meines Erachtens nach.
    • Das veraltete System “Schule” wurde einfach in Software umgesetzt, der Lehrer gibt Material, Tests etc. alles vor, der Schüler muss damit was anfangen. Das ist aber genau der falsche Weg.
    • Einfacher gesagt – um @watueueh zu zitieren:

      solange ein system nur alte prozesse abbildet, entsteht kein echter mehrwert.

  • Themes sollten auch flexibler sein. Und besser umzugestalten.

Wie kann man es also richtiger und besser machen?

Man müsste ein von Grund auf modulares System entwickeln, das leicht zu bedienen ist, leicht zu erweitern (so, wie man gerade will) und leicht an andere Systeme anschließbar ist (API – Google Docs, Flickr, whatever). Aber wie, und was muss alles dazu? Ich bin kein Lehrer, ich weiß nicht, was man sich von der Seite aus vorstellt, zu brauchen… ?

(Ich hoffe hier jetzt vor allem auf Kommentare von Lisa Rosa, die auf der re:publica nach der Podiumsdiskussion einen Vortrag dazu gehalten hat, wie sich das 200 Jahre alte Bildungssystem verändern muss, und von Matthias Heil und Rene Scheppler, mit denen ich ja gerade auf Twitter schon ein wenig darüber diskutiert hab…)

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10 Antworten auf E-Learning

  1. “Von Grund auf neu” klingt nicht gut, da es wieder Jahre dauern würde bis sich Stabilität, Erweiterungen etc. erträglich gestalten.

    Schön wäre eine schulische Bedürfnisse berücksichtigende Erweiterung eines weit verbreiteten Systems (samt engagierter Entwicklungsgemeinschaft) wie WordPress. Community- und Wiki-Funktionalität gibt es dafür ja schon über WPmu, BuddyPress und WikiPress, so dass eine Reihe von Dingen schon funktioniert, wenn man sich für weiter gehende Ideen via HTML-Embeds behilft. Ein gutes Foren-Plugin gibt’s für WP aber nicht und die bbPress-Integration läuft immer nur bis zum nächsten größeren WP-Update gut… hatte es auch irgendwann einmal geschafft, WP und SMF zu überbrücken, aber das war ziemlich fummelig und optisch auf Grund verschiedener Themes nicht wirklich überzeugend. Also ist auch dieser Ansatz nicht sehr erfolgsversprechend.

    Komplettpakete wie Lehrer-Online oder Fronter sind eher unflexibel bzw. können nicht/kaum an Sonderwünsche angepasst werden.

    Also: Moodle ist bei all seinen Schwächen das Beste, was wir haben – und die 2.0 ist ja schon mit einigen Vorschlusslorbeeren bedacht worden. Dennoch müsste m.E. hier in der Tat das Ganze neu aufgezogen werden (Parallele: Moodle : was wir brauchen = IE6 : Chrome)…

    Wenn ich kein eigenes Moodle hätte, würde ich momentan zwei Ansätze verfolgen: a) Ein Web-App-Verbundsystem zusammenstellen, das nur eine Anmeldung erfordert (z.B: Facebook, Twitter oder OpenID) – die Anzahl entsprechender Services steigt momentan. – b) Anmeldung bei Google: Das geht noch einen Schritt weiter (da hat man automatisch eine Open-ID dabei, Text&Tabellen ermöglichen schon ein besseres Maß an Kollaboration als andere Cloud-Office-Angebote, GoogleReader incl. Reader-Bookmarklet ist eine wahre Schatzkammer hinsichtlich Recherche und Veröffentlichung (wenn man z.B. nach Posterous shared/sharen lässt)… und außerdem hat man mit Picasa/WebAlbums ein schönes, starkes und gut bedienbares Bildverwaltungssystem… kombiniert mit vuvox, animoto, XMind etc. lässt sich da sicher etwas reißen… wobei jedoch das Registrierungsproblem bei den letztgenannten Services bleibt…

    Es ginge also schon ganz gut ohne Moodle, wenn man auf die bis in Klickstatistiken reichende Admin-Allmacht und auf den “austauschbare Kurse”-Gedanken verzichtet. Nur das Setup und das unterschiedliche Handling der genannten Tools schaffen – zumindest für Normalos – Probleme.

    Deswegen warte ich auf GoogleWave, von dem ich mir vor allem eine Vereinfachung bzw. Vereinheitlichung der vielen schon vorhandenen z.B. GoogleServices bei gleichzeitiger Offenheit zu anderen Systemen erwarte/erhoffe…

    P.S.: Danke für den Hinweis auf Lisa Rosas interessanten Vortrag – habe ihn bei SlideShare gefunden: http://www.slideshare.net/lisarosa/lrnextgeneration-bildung-im-uebergang-von-der-arbeitsgesellschaft-zur-selbstreflexiven-lerngesellschaft

  2. scheppler sagt:

    Nun, Moodle ist auf den ersten Blick tatsächlich etwas abschreckend. Aber mal ehrlich: auch viele andere Systeme brauchen eine gewisse Phase des sich Reindenkens. Ich denke, dieses Problem wird bei jedem System bestehen, das von einem oder einer Gruppe geschrieben wird, die in einer gewissen Struktur denken, dann aber von ganz vielen anderen genutzt werden soll. Besonders in der deutschen Schullandschaft wird es schwer, DAS System zu entwickeln, da wir verschiedenste Schultypen und darin noch diverse Feinheiten haben. Hinzu kommen die einzelnen Länderunterschiede.
    Bei Moodle merkt man deutlich, dass es aus dem australischen Schulsystem hervorgegangen ist und sich dann am angelsächsischen Modell orientiert hat, um nun – und da entsteht der Flickenteppich – zu versuchen, die ganze Welt abzudecken.

    Von daher halte ich den Ansatz oben für genau richtig, die Schnittstellen zu öffnen. Und wer sich da mal BlackBoard, Fronter & Co ansieht, wird feststellen, dass Moodle da um Längen besser ist, was die Einbindung und Verknüpfung von externen Diensten angeht.
    Auch in dieser Hinsicht geht Moodle genau den richtigen weg, sich noch weiter über API zu öffnen. Ich empfehle hier einmal den Vortrag der MoodleMoot in Mannheim zu Moodle 2.0, das noch dieses Jahr kommen kann/soll/wird: http://www.youtube.com/watch?v=Eu5Yoiloohg
    Ich konnte neben dem Vortrag bereits einige Blicke hinein werfen und würde ebenfalls warnen, etwas komplett neues zu bauen (siehe Matthias Gründe).

  3. Hugelgupf sagt:

    Vielleicht würde es dauern, bis die Stabilität da ist, aber ich würde trotzdem etwas Neues vorziehen. Denn dann könnte man es von Grund auf so bauen, wie man es haben will – und muss nicht irgendwelche anderen Systeme zweckentfremden.

    Natürlich braucht man eine Phase, in der man sich mit einem System vertraut macht. Doch sollten gerade solche E-Learning-Systeme, mit denen ja auch teilweise eher technisch unerfahrene Lehrer und Schüler umgehen müssen, gerade solche Systeme sollten größtenteils selbsterklärend sein. Und gerade Moodle ist das nicht, Moodle ist das genaue Gegenteil davon.

    Und wenn man das ganze nun von Grund auf neu angehen würde, könnte man sich auch am deutschen System orientieren. Oder man könnte versuchen, das ganze so dynamisch zu gestalten, dass man es an das jeweilige Schulsystem anpassen kann. Wobei das wieder einen gewissen Grad an Kompliziertem mitbringen würde – man könnte stattdessen auch einfach mehrere verschiedene Versionen des Systems erstellen.

    Ich werde mir mal genau ansehen, wie Moodle sich nun öffnet. Die Art und Weise ist dabei ja auch entscheidend. Trotzdem würde ich evtl. für was Neues plädieren…

  4. Lisa Rosa sagt:

    Ich kann leider bei der spannenden Diskussion über Vor- und Nachteile und Verbesserungen solcher Systeme gar nicht mithalten. Was aber für mich ganz außerordentlich wichtig ist: Dass Schüler an diesem Problem arbeiten – wie gugelhupf. Und das sollten sie am besten organisiert tun dürfen und zwar im Rahmen ihrer Unterrichtsverpflichtung. Wie wäre es, wenn Initiative D 21 und deren Sponsoren ein Schüler-Projekt dazu ausloben: “Entwicklung einer Software, die als Kernelement einer PLE mit vielen Schnittstellen für alle Schüler/Schulen geeignet wäre” ? Matthias Heil und all die vielen anderen bloggenden Informatiklehrer machen das dann zusammen mit ihren Schülern als Jahresprojekt. Dabei lernen die Schüler Informatik und Medienkompetenz und erarbeiten eine Lösung für ein echtes auf den Nägeln brennendes gesellsch. Problem. (Ich sitze hier mit dem Hamburger Modell “CommSy” http://www.commsy.net/ und bin damit auch überhaups nicht glücklich, weder in eduCommSy an der Uni, noch in schulCommSy für die Schulen).

  5. Lisa Rosa sagt:

    nur zum E-Mail-Abo der Seite musste ich mich noch mal melden.

  6. Hugelgupf sagt:

    Eigentlich halte ich das für eine gute Idee, nur…

    Also wenn sowas im Rahmen des Informatik-Unterrichts passieren sollte, dann muss man beim Bundesland aufpassen. In NRW zum Beispiel ist es für den Informatik-Unterricht vorgeschrieben, dass in der Oberstufe Java, Delphi oder Pascal gelehrt wird. Diese drei Sprachen sind wohl wahrscheinlich völlig ungeeignet zur Umsetzung eines solchen Projekts. (Davon abweichen kann man nicht wegen des Zentralabiturs.)
    Das hieße, sowas müsste als außerunterrichtliches Projekt gemacht werden. Ein weiteres Problem ist dann wohl die Zeit, ich glaube nicht, dass man bei 3 Stunden pro Woche das ganze innerhalb von einem Jahr fertig hätte…

  7. Lisa Rosa sagt:

    Tschuldigung, hugelgupf, habe ich doch schon wieder die Buchstaben vertauscht – das ist sozusagen mein innerer Thesaurus ;-(
    Ja, genau! Der “normale Unterricht” mit seinen Lehrplan- und Zeitvorgaben sperrt sich gegen solche Echtlernprojekte. Daraus kann man nun völlig verschiedene Schlussfolgerungen ziehen, aber es ist wichtig, das erst mal so als tatsächliche Diskrepanz auf den Tisch zu legen. Die kann man nicht einfach aus der Welt wünschen. Die Frage ist, wie man mit Diskrepanzen umgehen soll. Geht nicht, weil … / oder: wir schmeißen alles um und planen die ultimative Transformation des Schulwesens … / oder: lass doch mal sehen, was trotzdem geht …und lass doch mal sehen, wie andere dieses Problem gelöst haben …/ sind mögliche Rangehensweisen. Schulen in Bayern z.B., die eine Kooperation mit Theoprax in die Gänge gebracht haben, kriegen z.B letzteres hin. Theoprax ist ein Modell, das Kooperationen zwischen schulischem Lernen und gesellschaftlichem/außerschulischem Bedarf an neuen Lösungen ermöglicht: http://www.theo-prax.de/ Nur mal als ein Beispiel dafür, dass Lehrplan und Zentralabitur nicht das Ende eines schülergerechten Curriculums sein müssen … Wieso geht sowas ausgerechnet in Bayern, wo es da doch angeblich gar keine Schulautonomie gibt? Und nun wäre das obige Projekt ja sogar eines, was Schulprobleme lösen würde!
    “Außerunterrichtliche Projekte” sind was Komisches: Da wird gesagt, ja Projektlernen ist gut, aber bitte nicht in der Unterrichtszeit. Was will denn Unterricht, wenn nicht Problemlösendes Lernen lehren? Nur den Lehrplan erfüllen und das Zentralabitur vorbereiten ist ja nur eine formale Legitimation für Unterricht – keine funktionale. Es gibt auch Schulen, die mehrere Wochen im Jahr Projekte haben, oder einen Projekttag pro Woche in jeder Schulwoche. Die kommen nicht auf die Idee, da eine Unterscheidung zwischen Unterricht und Projekte ( = Freizeit, nicht so wichtig) zu machen, sondern sie sagen: Es gibt Unterrichtszeiten, da wird in Lehrgangsform und Trainingsform gelernt, und es gibt Zeiten, da wird in Projektform gelernt. René Scheppler ist an einer solchen Schule. Wieviele Wochen im Schuljahr habt ihr Projektzeit? Und sprecht ihr dabei von außerunterrichtlichem Lernen?

  8. Hugelgupf sagt:

    Naja, ich kenne das von meiner Schule aus nur so. Meine Schule will mit Biegen und Brechen sogar jede einzelne Fehlstunde vermeiden, selbst wenn in der 6. Stunde ein Lehrer fehlt, wird da eine Vertretung eingesetzt (früher wurde da frei gegeben) – nur damit es keine verdammten Fehlstunden gibt. Im Vergleich dazu hat die benachbarte Realschule gefühlt jede 3. Woche wegen einem Lehrerausflug oder Elternsprechtag frei, gefühlt jede 2. Woche wird der Unterricht an einem einzelnen Tag auf 4 Stunden begrenzt, weil irgendeine Konferenz ansteht o.ä. – oder ZAPs, da kriegen die restlichen Stufen mal eben frei. Das gibt’s bei unserer Schule alles nicht, und vergleichbar dazu will man auch unbedingt den Lehrplan erfüllen. Übrigens: Ich wüsste nicht, dass unsere Schule eine Projektzeit hat. Wir haben einen Tag im Jahr, wo Schüler arbeiten gehen als “gute Tat” – Aktion Tagwerk nennt sich das. Da lernt man aber auch nichts.

    Nunja, wie es bei anderen Schulen aussieht, weiß ich nicht. Hoffentlich besser als bei uns. Ich kenn’s leider nicht viel anders.

  9. Lisa Rosa sagt:

    Stell Dir mal vor, Schüler, Eltern und Lehrer Deiner Schule kennten es anders, weil sie es z.B. an anderen Schulen life gesehen oder aber im Netz – gelobt sei das Netz! – gefunden haben, und würden das Andersseiende, Auchmögliche, Sogar-auch-in-NRW-mögliche, auf dem Elternabend, der Elternratssitzung, in der Schülerversammlung, auf der Lehrerkonferenz, in der Schulkonferenz berichten und sagen: Das gefällt uns, das wollen wir auch …

  10. Hugelgupf sagt:

    Hehe, ich wollte ja nicht sagen, dass unsere Schule veränderungsresistent ist, sondern “rechtfertigen”, dass ich’s nicht anders kannte… ;)
    Naja, however, in den nächsten 10 Monaten werd ich persönlich eher weniger die Zeit dafür finden… aber, wenn nun jemand den Vorschlag von Lisa Rosa umzusetzen gedenkt (-> Matthias Heil oder Rene Scheppler) – ich bin immer bereit, an Planungen oder Konzepten mitzuwirken, auch von den USA aus.

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