Trotz dass Englisch nur 120 Minuten + 10 Minuten Orientierungszeit ging, war es anspruchsvoller als Deutsch.
Der erste Teil, der wieder bei allen Schulformen gleich war, bestand aus drei Hörverstehens-Übungen auf 8er-Niveau. Selektives Verstehen, Detailliertes Verstehen und Globales Verstehen (damit sollte wahrscheinlich eigentlich Dialekt gemeint sein, es ging auch um London und interviewte Londoner – aber von Dialekt war nicht viel zu hören). Es gab Kritik in unserer Klasse, dass das detaillierte Verstehen zu schwer gewesen sei, weil die Sprecher genuschelt hätten oder undeutlich gesprochen hätten… und manchmal hätte man z.B. “Melbourne” gehört und dann die Antwort mit Melbourne angekreuzt statt der richtigen (Multiple Choice, wie gehabt). Naja, Leute… das ist der Sinn der Sache! Deswegen heißt es “Detailliertes Verstehen”. Auch die Qualität wäre nicht so gut gewesen – ja Leute, dann stellt bitte euer Handy aus, wenn ihr’s vorne aufs Pult neben den CD-Player stellt. Dann würde das auch nicht von Zeit zu Zeit so rauschen.
Alles in allem war Teil 1 wieder sehr einfach, unsere Englischlehrerin meinte schon, wir hätten fast keine Fehler in dem Teil.
Teil 2 war anspruchsvoller und umfangreicher als in Deutsch. Diesmal gab es kein Wahlthema, sondern einen Text über Jamie Oliver und die Rawmarsh Comprehensive School – das ging ja vor 2,5 Jahren durch die Medien; die Mutter, die den Kindern das Fast Food durch den Zaun reicht, weil das gesunde Kantinen-Essen niemandem schmecken würde und die Schüler den Schulhof nicht verlassen dürfen.
Konkret war der Text eine bearbeitete Fassung von diesem Artikel (Mums sell pupils pies to defy Jamie Oliver) auf dailymail.co.uk. Zum einen wurden ein paar Vokabeln durch solche ersetzt, die wir kennen. Zum anderen wurde gekürzt, die letzten 10 Absätze (ab “Mrs Walker”) wurden rausgestrichen. Da fällt mir gerade auf, dass unser Schulministerium ein paar Namen durcheinandergeworfen hat – bei uns hieß Mrs Critchlow Mrs Walker. Wie auch immer – der Text ist nicht misszuverstehen.
Er wurde aber lächerlicherweise relativ oft missverstanden. Ich weiß, dass es an unserer “Nachbarschule” ein paar Fälle gibt und auch bei uns in Parallelklassen – die Schüler haben den Text so verstanden, dass Jamie Oliver Fast-Food anbietet und die Mutter den Kindern gesundes Essen durch den Zaun reicht, weil das Fast-Food nicht schmecken würde und zu teuer sei.
Also – mein Kommentar dazu ist, dass wer den Text in 2 Stunden nicht genau lesen kann statt ihn mal zu überfliegen, der ist selber Schuld. Schon im dritten Absatz steht…
Instead of [...] they are running a delivery service offering fish and chips, hamburgers and fizzy drinks.
Das was bei [...] steht habe ich mal rausgenommen, weil das bei uns durch eine einfachere Formulierung ersetzt wurde – fragt mich nicht, welche.
Das schwierigere (damit ist nicht gesagt, dass es schwer war!) hierbei war, dass gar nicht mal angegeben war, wie man die Aufgaben zu erledigen hatte. (Also wirklich, das geht ja mal gar nicht!) Aufgabe 1 war eine Zusammenfassung (mit dem Hinweis: Vergiss den Einleitungssatz nicht! – für den gibt es übrigens 1/3 der Punkte in der Aufgabe, wie ich erfahren habe); Aufgabe 2 war die Wiedergabe aller Argumente (eine Analyse); und bei Aufgabe 3 durfte man zwischen einer weiteren Wiedergabe aller Argumente + eigener Argumente + eigener Meinung ODER einem Brief an die Mutter, in dem man sie vom gesunden Essen überzeugen soll, wählen. Sehr abwechslungsreich, muss ich schon sagen. Das ist wirklich inspirierend, diese sprühende und fauchende Kreativität. (Ja, fauchend.)
Man hat’s uns dabei einfach gemacht: Argumente für gesundes Essen kennen wir zu Genüge, bei Argumenten für Junk Food hätten wir erst nachdenken müssen. Außerdem wäre das ja pädagogisch gar nicht hinnehmbar, dass Kinder Jugendliche Argumente für ihr heiß geliebtes Fast-Food finden müssten! Nein nein nein, lieber anders herum.
Alles in allem war es umfangreicher und etwas anspruchsvoller als Deutsch. Noch dazu hatten wir 30 Minuten weniger Zeit als in Deutsch, das hätte man lieber anders herum machen sollen.
PS: Hatte ich erwähnt, dass in Deutsch bei Teil 2 Wahlthema 2 (Argumentation) alle Argumente vorgegeben waren? 14 Stück, um genau zu sein; 2 weitere konnte man (wenn man wollte) hinzufügen…
Also gute Argumente *für* Junk-Food fallen mir auch nicht wirklich ein. Schmeckt gut zählt wohl nicht, oder? Was habt ihr da denn geschrieben? Rein aus Interesse.
Nein nein, damit meine ich, dass WIR gegen Junk Food argumentieren mussten. Ich spreche Sarkasmus – fließend.
Das war eigentlich durchaus ernst gemeint. Eben weil wir Argumente gegen Junk Food zu Genüge kennen sollten (das ist 9er-Stoff in Englisch und sowieso irgendwie), mussten wir auch gegen Junk Food argumentieren. Für Junk-Food, das wäre ja fast schon einer von diesen hochgeputschten Skandalen – “pädagogischer Schwachsinn”, dann hätten die Kinder ja hinterher Argumente gegen ihre Eltern, warum sie zu Mäcces fahren sollten. Das wär was für die BILD gewesen.