Nach dem tragischen Amoklauf in Winnenden flammt die Killerspiel-Debatte wieder auf – und auch ich gebe (aber nur ganz kurz) meinen Senf dazu.
Es mag sein, dass die sogenannten “Killerspiele” – Ego-Shooter – zu Gewalt anregen oder aggressiv machen. Ich schätze, dass etwa 60% oder mehr aller Jugendlichen Ego-Shooter besitzen und spielen.
Nur: Warum spielen Jugendliche eigentlich Ego-Shooter? Oft werden sie gespielt, weil man Aggressionen abbauen will und seiner Wut Luft machen will. Jetzt tut sich die nächste Frage auf: Woher kommen die Aggressionen?
Und genau da muss man ansetzen. Wenn man die “Killerspiele” verbietet, hilft uns das nicht weiter, weil die Aggressionen bleiben. Das war’s schon.
Ich spiele übrigens keine Ego-Shooter. ;)
Ich habe auch Ego-Shooter gespielt. Jedoch nie um Aggressionen abzubauen oder um meiner Wut Luft zu machen. Es war einfach spannend und spaßig mit ein paar (realen) Freunden durch die Maps zu laufen und “Capture the flag” zu spielen. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.
zu Bedenken ist allerdings, und da stimme ich dir zu, dass in gewissen Altersstufen womöglich die nötige Entwicklungsreife fehlt, um Realität und Fiktion sauber zu trennen – wir haben bspw. damals ewig gerätselt, ob Wrestling nun gespielt oder echt ist…
Abreaktion von Aggressionen kenne ich bei meinen Schülern auch. Sie sagen, dass sie alle (!) Ballerspiele oder Killerspiele nach der Schule brauchen, um ihre Wut abzureagieren, die z.B. regelmäßig dadurch entsteht, dass sie vom Lehrer nicht gehört, nicht ernst genommen, ungerecht behandelt oder gar gedemütigt werden. Ganz alltägliche Vorkommnisse – leider – aber darum nicht weniger Wut erzeugend! Diese Wut ist eine normale Reaktion auf solche Behandlung, die in der Schule vornehmlich die Jungs trifft, denn die Mädchen sind in aller Regel angepasster und “pflegeleichter” und kriegen darum weniger ab. So. Kommt dann noch ein problematisches oder auch nur am Jugendlichen uninterssiertes Elternhaus dazu und ein auslösendes Krisenerlebnis (Freundin adé, Sitzen geblieben …)und sind die (echten!)Waffen sowieso schon immer eine Option, weil der Alte damit spielt, dann sind so ziemlich die wichtigsten Faktoren zusammen.
Ich finde es schade dass viele Jugendliche keine andere Möglichkeit haben sich anzureagiern. Irgendwas läuft da doch echt falsch…
Naja, ich glaube nicht das es einen Ursachlichen Zusammenhang zwischen besagten “Killerspielen” und solchen gewalttaten in Winnenden gibt. Vielmehr sollte man hier, wie es Christpher ja sehr schön getan hat, zwischen Ursache und Wirkung unterscheiden. mMn sind das exzesive Spielen eben solcher Spiele eine Wirkung und keine Ursache, schließlich gibt es Millionen von Menschen die diese Spiele völlig unbeschadet spielen und nur einige Wenige die Amok laufen.
Zwei Dinge die in der Diskussion übrigens ebenfalls immer wieder auffallen: Niemand scheint zu bemerken das unsere Darstellungen im Fernsehen immer Gewaltreicher werden. Und niemand lässt sich dazu herrab “Killerspiele” mal zu Definieren: Ego-Shooter? Strategie-Spiele? Jedes Spiel mit Gewaltdarstellung? Was sind denn jetzt “Killerspiele” eigentlich?
Ein verbieten dieser Spiele würde nichts bringen, genausowenig wie die Diskussion über selbige irgendetwas birngen. Jugendliche werden sie weiterspielen, zumindest so lange bis wir Gesellschaftlich etwas gegen die Akzeptanz von Gewalt in (allen unseren) Medien unternehmen. Aufklärungsarbeit, Entlastete Eltern, Schulpsychologen und Sozialarbeiter sind das was wir brauchen, und kein weiteres so oder so nicht durchsetzbares Verbot!
Eltern spielen denke ich auch eine Rolle bei den Aggressionen. Wenn die Eltern die Kinder fast ganz sich selbst überlassen, sich nicht um die Kinder kümmern, kann das auch dabei herumkommen.
Zu Killerspielen und ganz vor allem dem Amoklauf in Winnenden fand ich diesen Beitrag von BILDblog genial: http://www.bildblog.de/6413/wie-bild-den-amoklauf-in-szene-setzt/ – das trifft es auf den Punkt, auch wenn da nichtmal so wirklich Killerspiele thematisiert werden.
Erinnert mich an heute, 6. Stunde (ja, ich kann mich an eine 6. Stunde von Freitag erinnern!), Zitat ausm Politikbuch (die es übrigens wiederum aus einem Buch der bpb haben):
@Kruemmel: Das stimmt wohl, bei den meisten sollte man aber direkt an der Ursache ansetzen – woher kommen die Aggressionen? Vieles kommt von der Schule – oder eben aus dem Elternhaus. Das Lehrer-Schüler-Verhältnis muss wieder besser werden, was auch unsere Deutschlehrerin anmerkte: Früher gab es anscheinend eine Klassenlehrer-Stunde, wie sie es nannte, in der kein Fach unterrichtet wurde, sondern wo nur Schüler und Lehrer eine Stunde geredet haben. Finde ich gut. Heute gibt’s das wohl nicht mehr.
off topic: Hi Hugelgupf! Gerade habe ich gesehen, dass wir auf der re:publica in einem Panel “Aufgewachsen im Netz” miteinander diskutieren werden. Ich freu mich drauf!
LR
Hi – hab’s auch eben schon gesehen :) Ich mich auch!
“Früher gab es anscheinend eine Klassenlehrer-Stunde, wie sie es nannte,…”
Also ich kenne ein paar Leute die sowas noch haben und ich denke es ist duch aus hilfreich, wenn die Stunde auch wirklich genutzt wird. Das wiederrum ist Aufgabe der Lehrer.
Ich denke wenn man stress in der Schule und zu Hause hat wirds halt kritisch, weil die Kinder keinen Halt haben und sich nirgens akzeptiert fühlen.