Polen-Austausch

Der Polen-Austausch findet bei uns jedes Jahr statt. Im Herbst kommen polnische Schüler nach Deutschland, im Juni danach fahren die Gastgeber nach Polen. Uns haben diesmal drei Lehrerinnen betreut: Frau R. war bei allen Ereignissen dabei und macht die Organisation, Frau H. ist nach eigenen Angaben für das Pädagogische zuständig (haha <hust>) und Frau M.-L. ist auch sonst bei jedem Comenius-Projekt dabei. Frau J.-S. und Frau R.-C. (immer diese Doppelnamen!) nehmen außerdem polnische Lehrerinnen auf.

Um den ganzen Bericht zu lesen, müsst ihr denn noch einen einzigen Klick überstehen…

Sonntag Abend schon haben wir unsere polnischen Austauschschüler abgeholt. Der Zug hatte wie bei der Bahn üblich etwa 25 Minuten Verspätung. Die polnische Gruppe musste insgesamt sechs Mal umsteigen, ist 12 Stunden gefahren.

Mein Gast (ich schreib ab jetzt Gast statt polnischer Austauschschüler – das zu schreiben ist mir dann doch zu lang…) ist 17 Jahre alt, ein bisschen kleiner als ich und heißt Kacper, ausgesprochen Kasper.

Montag

Morgens in der Schule wurden zuerst die polnischen Schüler begrüßt. Das war in der ersten Stunde, wir waren da im Unterricht, in der zweiten Stunde mussten die Polen auch teilnehmen. Von der 3. bis zur 5. gab’s dann eine Art Kennenlern-Runde. Die leitete Frau H. (Sozialwissenschaften & Religion), die aber mit ihrem Englisch nicht sehr überzeugen konnte…

- Please arrange the tishes!
- Ähm, Frau H., die heißen desks oder tables…
- Jaja, ihr könnt das ja… Hachjau, mein Englisch wird auch in zwei Wochen noch der Lacher sein…

Hilla (Vorname von Frau J.-S.), übersetz mal!

Die polnischen Schüler können eigentlich alle kein Deutsch, auch Englisch ist sehr schwierig. Das Englisch bei “meinem Polen” war aber ziemlich gut.
In der Runde mussten wir uns zuerst vorstellen. Dann wurden wir in Gruppen eingeteilt, sollten Denkmäler in Europa den Ländern zuordnen. Hinzu kamen dann diverse andere kleine Dinge, z.B. sollten pro Gruppe jew. drei für Deutschland und Polen wichtige Denkmäler oder Plätze oder Stätten oder Städte genannt werden – oft genannt waren Berlin, München und Hamburg.
In der 6. Stunde hat die polnische Gruppe dann die Kirche neben der Schule besichtigt, wir hatten wieder Unterricht.

Danach sind wir Essen gegangen, in einem Hotel nahe der Schule. Und – oh wunder – es gab für alle das gleiche. Westfälisches/Deutsches Essen: Bratwurst, Kartoffelpüree und Rotkohl. Warum ich ein ironisches “oh wunder” einbaue? Frau R. hatte uns auch in Litauen beim Litauen-Austausch drei Tage lang mittags immer “westfälisches” Essen bestellt. Das bestand aus Schnitzel/Steak, Pommes und Salat wenn ich mich recht erinnere. Jeden Mittag.

Frau R. und Frau H. waren beim Mittagessen dabei. Sie haben sich leider an unseren Tisch gesetzt. Dabei kann man schon manchmal interessante Dinge hören:

Frau H: Nach der 6. hab ich aus dem Fenster geguckt und die Polen da gesehen, da hab ich meinen 8ern erzählt, dass die alle auf Weibersuche sind. Dann mussten ‘se natürlich alle zum Fenster und gucken.
Frau R: Ich hab beim Unterrichten gar keine Zeit um ausm Fenster zu gucken!
H: Dann machst du aber was falsch beim Unterrichten.
R: Ja, ich schreib immer die ganze Tafel voll.
H: Nein, also ich geb den Kindern ‘ne Aufgabe und setz mich dann mitm Stuhl in die Sonne.

Von 14-15 Uhr waren wir dann Kegeln im gleichen Hotel. In der Stunde danach sollten wir durch Büren laufen und einen sog. “jugendlichen Stadtrundgang” erstellen – unsere Gruppe hatte am Ende ganze fünf Stationen ;D

Dienstag

Am Dienstag ist nicht viel passiert. Wir hatten den ganzen Tag lang Schule, die polnische Gruppe ist mit dem Bus in eine benachbarte Stadt gefahren, hat dort eine Stadtrundfahrt absolviert und war auf der Kirmes. Laut Kacper sind sie wohl sehr viel gelaufen und im Regen nass geworden… und 16.40 Uhr waren sie wieder bei uns zu Hause. Viel haben wir nicht mehr gemacht, er war müde, wollte aber noch an den PC. Kacper hat dann etwa eine Stunde am PC verbracht; hat seine E-Mails nachgeschaut und hat sich in einem polnischen Social Network eingeloggt (ich wage jetzt nicht, wie ein Freund es gemacht hat, zu schreiben “polnisches SchuelerVZ” – er ist halt ein wenig ahnungslos in Sachen PC/Internet, mach ich ihm ja keinen Vorwurf draus. Trotzdem musste ich bei der Bezeichnung lächeln…). Währenddessen hab ich die Süddeutsche gelesen, danach bin ich an den PC und er hat noch ein Buch für den Geschichtsunterricht weitergelesen. Abends haben wir noch Tischtennis im Keller gespielt.

Mittwoch

Am Mittwoch war die erste von zwei Tagesfahrten. Es ging nach Königswinter und Bonn. Wie schon getwittert: Die Zahnradbahn auf den Drachenfels in Königswinter ist langweilig. Die Stadtrundfahrt Bonn war auch nicht gerade gut, der “Führer” war ein bisschen langweilig. Nur das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland fand ich sehr interessant => sehr empfehlenswert.

Auch die Planung der Route des Bus’ war nicht gerade der Burner. In Königswinter mussten wir uns auf höchstens 1,5 spurigen Straßen in der Innenstadt rumschlagen – hätten die Geschäfte ihre Markisen einen Meter weiter ausgefahren, wären wir nicht weitergekommen. Bei der Drachenfelsbahn mussten wir dann letztendlich im Halteverbot parken. Als wir dann endlich aus der Innenstadt von Königswinter raus waren, mussten wir wieder zurück – denn die Fähre, die wir über die Ruhr (oder Rhein? eher Ruhr glaube ich) nehmen sollten, nahm keine Schiffe auf. In Bonn sind wir wegen parkenden LKWs, die unser Stadtrundführer vorher schon einmal mit dem Auto passiert hatte – “Hier hab ich gestern schonmal 30 Minuten gestanden”, nicht weitergekommen und mussten weit rückwärtsfahren. Tja, hätte er wohl bedenken sollen, bevor er den Busfahrer da reindirigiert hat…

Donnerstag

Am Donnerstag bin ich krank aufgewacht. Meine Stimme war so gut wie weg, ein Husten hat so gut wie jeden meiner Sätze begleitet. Die polnische Gruppe hat sowieso wieder alleine etwas unternommen – hat die einzige Dreiecksburg Deutschlands, die Wewelsburg, besichtigt und eine Führung über sich ergehen lassen. Abends habe ich es mir dennoch nicht entgehen lassen, zu einer Freundin und Nachbarin zur Party zu gehen – sie hat eine Polin aufgenommen und mehrere andere Gastgeber eingeladen.

Freitag

Am Freitag hat die polnische Gruppe wieder etwas alleine gemacht, sie hat einen nahe gelegenen Flughafen besichtigt. Als ob es in Polen keine Flughäfen gäbe…
In der 5. und 6. Stunde jedoch hätten/haben sie am Unterricht teilgenommen. Die Polen meiner Nachbarin und eines Freundes waren da, meiner aber spurlos verschwunden. Nach der 6. Stunde saß er in unserem Schülercafe:

I’ve been to a store. The german lessons are too boring for me, so I went to a store.
Ich war in ‘nem Laden. Den deutschen Unterricht finde ich zu langweilig, also bin ich in einen Laden gegangen.

Ach was. Ich stimme dem voll zu. Das haben die Lehrer unter den Lesern jetzt überlesen.
Abends haben wir in der Stadt unserer Schule ein bisschen Party “gemacht”.

Samstag

Gestern war denn die zweite Tagesfahrt – nach Oberhausen mit der Bahn. Die Bahn war erstaunlicherweise immer pünktlich. Wir sind zweimal umgestiegen, mussten dann noch drei Stationen mit der Straßenbahn fahren und wir waren da – vorm Zentrum, “Neue Mitte”. Im Zug haben wir sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt in unserem Abteil die Tochter von Frau H., die auch mitgefahren ist, getroffen. Diese hatte noch drei Schulfreundinnen und bis auf eine jeder jew. eine britische Austauschschülerin im Schlepptau. Unser Abteil bestand auf der Hinfahrt somit aus: vier deutschen 14-jährigen Mädchen, zwei deutschen 14- und 16-jährigen Jungs, variierend sechs bis acht 15-17-jährigen polnischen SchülerInnen und drei britischen auch 14-jährigen Schülerinnen. Na, das nenn ich mal multikulturell! Dennoch hat es andere Fahrgäste, sagen wir, verunsichert. Jeder, der reingeschaut hat, hat Deutsch, Polnisch und Englisch gleichzeitig gehört, dazu eine Horde Jugendliche gesehen und ist wieder umgekehrt.

Sehr geil waren da jedoch drei Mönchen Gladbach Fans. Anmerkung: Die Tochter der Lehrerin ist Schalke-Fan. Die drei Fans wollten anscheinend im Ruhrpott nur ein bis zwei Stationen fahren, standen somit in Fan-Klamotten mit Bier in der Hand vor der Abteilungstür (war ein alter Wagon, somit sind es diese Schiebetüren, nicht die mit ‘nem Knopf zum Draufdrücken). Einer von den Fans wird jetzt Gegenstand der “Geschichte”, er ist etwas rundlicher und hat auf jeden Fall die größte Fan-Ausrüstung.
Die Tochter, nennen wir sie C., ruft durch die noch offene Tür “Scheiß Gladbach”. Er guckt einmal rein und sagt etwas wie “Nana, mal nicht aufmucken hier” – oder so ähnlich, ich hab’s nicht mehr in Erinnerung. Die Tür macht er danach zu. Auf jeden Fall – wir unterhalten uns weiter. In der Zwischenzeit holt sie Tuc Kekse raus, macht die Packung offen (durchsichtige Hülle, schön weit aufgerissen) und reicht einmal rum. Als die Kekse wieder bei ihr ankommen (sie sitzt an der Tür), geht die Tür auf, die Hand des Gladbach-Fans greift sich die Kekse mit den Worten “so geht das!” und macht die Tür wieder zu. Das Gelächter ist jetzt schon groß… Die Tür geht wieder auf, mit den Worten “schmecken nich!” fliegen die Kekse wieder auf den Schoss von C. – Tür geht wieder zu. Weil die Packung eben schon so weit aufgerissen war, ist sie jetzt voller Krümel und sie steht auf und schüttelt diese ab. Auf einmal geht die Tür wieder auf, “Mit den Krümeln sahste geiler aus” und schon ist sie wieder zu. Sie reißt sie wieder auf “Danke!” – als Antwort kam ein “Da nich’ für!” und die Tür war wieder zu.

Wegen eben diesen Fans hat sich wohl auch die Pozilei Polizei bemüht – sowohl auf Hin- als auch auf der Rückfahrt gab’s an manchen Bahnhöfen Polizisten wie Sand am Meer. Manche hatten sogar Hunde dabei…

In Oberhausen selbst war es nichtmal so interessant. Wir haben uns eine Ausstellung im Gasometer angeschaut – “Das Auge des Himmels – Satellitenbilder der Erde” und dort eine Führung mitgemacht; die gab es auf Deutsch und Polnisch. Am Ende gings dann auch oben aufs Gasometer drauf. Danach waren wir noch ein bisschen Shoppen im CentrO – das einzige, was ich dabei geshoppt habe, war Mäcces, äh, McDonalds. So auch andere in meiner Gruppe, die haben Curry-Karl und La Concha “geshoppt” – beides Fast-Food-Läden.
Wir sind außerdem in Technik-Läden (Bose – sehr geil! – und Saturn), im Lego-Laden (musste halt sein) und, weil sich jemand gezielt ein Buch kaufen wollte, in einen Buch-Laden gegangen. Außer dem Buch und was zu FrEssen haben wir uns nichts gekauft, im Gegensatz zu manchen anderen – zum Beispiel kamen zwei Mädels mit jew. zwei dicken Tüten an der Hand aus dem CentrO gelaufen. In 1,5h haben die so viel Geld aus dem Fenster geworfen ausgegeben!

Dann ging’s zurück, auf der Rückfahrt gab es außer vollen Zügen wohl nichts, von dem man bloggen könnte.

Sonntag

Heute mussten unsere Polen wieder nach Hause fahren. Also die polnische Sprache werde ich nicht vermissen, zumal die uns ein polnisches Schimpfwort beigebracht haben – unter der Übersetzung “cool”. Darüber hat uns dann heute der Vater meiner Nachbarin, gebürtiger Pole, aufgeklärt. Das Wort würde man nur dazu nutzen, um beim Fi…. Geschlechtsverkehr auszudrücken, dass man es geil, gut, whatever… findet.
Die Verabschiedung war recht… normal. Der Zug stand von Anfang an da, es wurde mit weißen Taschentüchern gewedelt… Nichts großes.

Besonders lustig am Bahnhof waren jedoch drei Rollenspieler. Jedenfalls waren sie das meiner Vermutung nach. Zwei von denen sahen aus die Soldaten, der dritte wie aus StarWars entkommen. Die hatten Pappmaché-Kanonen und -Raketenrucksäcke dabei. Alle drei hatten auch überdimensionierte Schulterklappen (?) aus Pappmaché. Sehr genial, vor allem weil bei der “Sichtung” der drei direkt erstmal zwei Bahnhofspolizisten hinter denen hinterher liefen.

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